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Parken aktuell | September 2010, Ausgabe 78

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APCOA bringt Flughafen-Taxis in die Spur

Seit mehreren Jahren ist das Taxi-Management-System in Stockholm Arlanda in Betrieb. Foto: APCOA

Seit mehreren Jahren betreibt APCOA ein Taxi-Management-System am Stockholmer Airport Arlanda. Diesen neuen Dienst führte der Parkraumbewirtschafter nun auch am Flughafen Berlin-Schönefeld ein. Im Interview erklärt Anja Müller von APCOA, welche Vorteile aus ihrer Sicht darin bestehen.

Parkraumbewirtschaftung und Taxi-Management – wie passt das zusammen?

Das Thema Parkraum-Management umfasst bereits seit langer Zeit weitaus mehr als die klassische Bewirtschaftung von Stellplätzen. Aspekte wie Mobilität, Infrastruktur und auch das Management des Verkehrsflusses gehören dazu. Letzteres ist vor allem für große Bahnhöfe, Häfen oder Flughäfen relevant. Dort sorgen Stoßzeiten für ein hohes Verkehrsaufkommen, das separat geregelt werden muss. Durch das Traffic-Management-System (TMS) von APCOA stehen zu jeder Zeit genügend Taxis zur Verfügung. Staus und andere Zeitverzögerungen werden durch das TMS effektiv verhindert, da nur so viele Taxis vorgelassen werden, wie benötigt werden. Gleichzeitig verhindert das TMS, dass Kunden am Flughafen stehen und kein Taxi vor Ort ist.

Sie managen den Taxi-Verkehr in Berlin-Schönefeld seit Oktober. Gibt es daneben noch den klassischen, wenig regulierten Taxi-Betrieb?

Zumindest am Flughafen Berlin-Schönefeld gehört er der Vergangenheit an. Das TMS stellt die zeitgemäße und wesentlich verbesserte Variante des Taxi-Betriebs dar, denn es regelt nicht nur die Taxizufahrt, sondern steuert aktiv den Verkehrsfluss.

In den Taxis, an den Schranken, bei den Passagieren, in den Warte- und Service-Zonen – welche Ihrer Technologien kommen da jeweils zum Einsatz?

Das TMS-System basiert auf einem eigens von APCOA entwickelten Algorithmus, der nach dem FiFo-Prinzip arbeitet, das für „first in, first out“ steht. Die zugelassenen Taxis werden mit einem Transponder ausgestattet. Das System vor Ort erkennt sie darüber, lässt sie die Schranken passieren und reiht sie automatisch in die Warteschleife ein. Jeder Transponder hat eine individuelle Identifikationsnummer, die gleichzeitig die Aufrufnummer darstellt. Diese wird auf den großformatigen Anzeigetafeln der Taxi-Wartezone angezeigt. Über diese werden die Taxis dann auch zur Vorfahrt am Flughafen aufgerufen. Die Schranke zur Taxi-Ladezone öffnet sich nur, wenn vorab ein Aufruf erfolgt ist.

Sich zu registrieren, dirigiert zu werden usw. ist ja doch eher ungewohnt für Berliner Taxifahrer. Wie reagieren sie auf den neuen Dienst?

Es ist natürlich zunächst eine Umstellung für die Taxifahrer gewesen. Sie waren zu Beginn auch etwas skeptisch, aber mittlerweile spricht das TMS durch bessere Auslastung und gleichmäßigere Verteilung von Fahrten für sich und hat damit überzeugt. Denn das System sorgt für Transparenz und Entspannung. Nicht zuletzt, weil die Fahrer ihre Zeit jetzt besser einteilen und dadurch mehr Fahrten durchführen können.

Was sind die Vorteile für Taxifahrer? Und wovon profitieren die Kunden?

Taxifahrern bietet das System gleich eine ganze Reihe von Vorteilen. Zum Einen erfolgt die Zuteilung der Fahrten absolut fair. Zum anderen können sie ab sofort die Wartezeit zwischen den Fahrten effektiver nutzen: Sie können zwischendurch tanken, in die Waschstraße fahren oder einen Imbiss in der integrierten Aufenthaltsmöglichkeit zu sich nehmen. Am Ende ist die Organisation der Taxifahrer wesentlich effizienter geworden.

Die Passagiere profitieren davon, dass direkt auf ihre Wünsche eingegangen werden kann. Ob Großraum, behindertengerecht oder Taxis mit Kartenzahlung – alles ist möglich. Durch die genaue Organisation verringern sich zudem längere Wartezeiten am Flughafen. Das ist sowohl für die Fahrer, als auch für die Fahrgäste eine wesentliche Vereinfachung.

Für das neue Produkt benötigen Sie Flächen wie Halte- und Service-Zonen. Wo überall lässt sich der Dienst implementieren?

Das System ist vielseitig und eignet sich für Bahnhöfe, Häfen und Flughäfen oder auch für Veranstaltungshallen. Für Halte- und Service-Zonen werden dann natürlich gesonderte Flächen benötigt – je nach durchschnittlicher Fahrtenfrequenz pro Tag ab ca. 50 Stellplätzen.

Welche Kosten entstehen dabei für Taxifahrer und Passagiere? Welchen Benefit hat APCOA und welche der Flughafenbetreiber?

Für die Einfahrt in die Wartezone wird den Taxifahrern im Nachhinein eine geringe Servicegebühr in Rechnung gestellt, die in der Regel an die Fahrgäste weiterberechnet wird. Die Vorteile für den Flughafenbetreiber liegen auf der Hand: Durch das TMS kann der effiziente und reibungslose Verkehrsfluss sichergestellt werden, selbst in Stoßzeiten oder erhöhtem Fahrgastaufkommen werden Rückstaus und lange Wartezeiten für Taxis und Fahrgäste vermieden. Zudem garantiert das TMS eine hohe Sicherheit und Qualität durch die Kontrolle darüber, wer am Flughafen Fahrgäste abholt, denn alle Taxen sind im System registriert.

Nach dem Air-Berlin-Aus ist Fliegen wieder teurer geworden. Sind Fluggäste in Deutschland denn bereit, für mehr Service an der Destination mehr zu bezahlen?

Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Fahrgäste die geringen Mehrkosten in Form einer Servicepauschale gut angenommen haben, genauso wie das auch schon bei der Kartenzahlung der Fall war. Die Vorteile für die Fahrgäste, wie mehr Komfort, kürzere Wartezeiten und höhere Verfügbarkeiten, überzeugen die Kunden schnell.

Darüber hinaus betonen Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen in Stockholm Arlanda den Öko-Faktor, weil Sie unter anderem umweltfreundliche Fahrzeuge wie Elektroautos bevorzugen. Die Skandinavier sind beim Thema Elektromobilität jedoch weiter. Gibt es das in Berlin oder in anderen deutschen Städten überhaupt: Elektro-Taxis?

Ja, die gibt es. Dennoch wird der Anteil an Elektro-Taxis in den nächsten Jahren noch weiter steigen. Bis sie zu einem festen Bestandteil gehören, wird es noch ein paar Jahre dauern. Hierbei spielt insbesondere das Thema Infrastruktur eine wichtige Rolle.

Und umweltbewusste Taxifahrer?

Am Flughafen Schönefeld haben wir sehr positive Resonanz von Taxifahrern erhalten, die nicht mehr mit laufendem Motor warten müssen. Jetzt parken sie ihr Taxi auf unserem Stellplatz, bis die nächste Tour beginnt. Am Flughafen Arlanda ist der Anteil der umweltfreundlichen Taxis seit der Einführung des TMS von 16 Prozent im Jahr 2009 auf 84 Prozent im Jahr 2014 gestiegen. Dies bewirkte im Jahr 2016 eine CO2-Einsparung von rund 16.000 Tonnen bei dem Transfer zwischen Flughafen und Innenstadt.