Parkraum-Management · Konzeption · Technik
Parken Kompakt 2017

Komplettpakete für alle Fälle

Die Digitalisierung verlangt auch in der Parken Branche immer stärker nach neuen Lösungen. Im Interview mit Parken aktuell erklärt Frank Horak, ...

Wettbewerb zeichnet neue Ideen für Mobilität in Städten aus

Via App einen Parkplatz finden, sein Auto per Internetplattform unkompliziert teilen oder den Elektroroller am Laternenpfahl mit integrierter Ladestation auftanken: ...

Aus alt mach neu – ADAC Parkhaustafel "Benutzerfreundliches Parkhaus" übergeben

Das Parkhaus Theater in Wiesbaden hat für seinen hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandard die ADAC-Parkhaustafel „Benutzerfreundliches Parkhaus“ erhalten. Es ist eines ...

Top Hotels entscheiden sich für bebarmatic Parksysteme

Der erste Eindruck des Hotelbesuchers ist oft entscheidend: Die Benutzung des Parksystems ist ein sensibles und Image beeinflussendes Thema. Für ...

Führungswechsel bei Scheidt & Bachmann

Martin Kammler ist seit dem 1. Januar 2011 Geschäftsführer für den Geschäftsbereich Systeme für Parkhaus- und Freizeitanlagen. Dem Team des ...

Ein Auto, das mit dem Parkhaus spricht

 
 
 
 
 

Die Branche trifft und informiert sich auf Schalke

Beeindruckende Kulisse: Arena „AufSchalke“

Beeindruckende Kulisse: Arena „AufSchalke“

Knapp 200 Teilnehmer, darunter zahlreiche Mitglieder des Bundesverbands Parken, waren aus ganz Deutschland zur Fachtagung des Verbandes in die Arena des FC Schalke 04 gekommen. Fünf Referenten sprachen über aktuelle Themen rund um die Parkraumbewirtschaftung. Neben verkehrs- und umweltpolitischen Fragen ging es auch um die erfolgreiche Vermarktung der Dienstleistung Parken sowie um rechtliche und steuerliche Aspekte der Unternehmensführung in der Parken Branche.

Werner Schardt

Werner Schardt

Die beeindruckende Kulisse der Veltins-Arena auf Schalke vor Augen begrüßten eine Vertreterin der gastgebenden Stadt Gelsenkirchen sowie Werner Schardt, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Parken, die Tagungsteilnehmer im „Glückauf-Club Flöz Fritz“. In das erste Referat führte Vorstandsmitglied Claus Schnell ein, der im Verband den Fachausschuss Verkehrspolitik leitet. „Die Pulsader der Stadt ist die Erreichbarkeit“, sagte Schnell. Darauf seien Einzelhandel, Gastronomie, Anwohner und Wirtschaft angewiesen.

Claus Schnell

Claus Schnell

Umweltzonen, wie sie in allen großen deutschen Städten geschaffen wurden, schränkten den Individualverkehr ein. Laut Schnell sind ein gutes Verkehrsmanagement und eine professionelle Bewirtschaftung von Stellplätzen besser als die rigorose Reduzierung des Verkehrs durch City Mauts und Umweltzonen.

Klaus-Peter Sehnert

Klaus-Peter Sehnert

Genau diesem Thema widmete sich Klaus-Peter Sehnert, stellvertretender Vize-Präsident des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs ADAC. Er übte gleich zu Anfang seiner Ausführungen den Schulterschluss mit dem BV Parken: „Wir schwimmen da auf derselben Wellenlänge. Auch der ADAC sagt klar ‚Nein’ zu Umweltzonen.“ Der einflussreiche Automobilverband bezweifelte die Zahlen bezüglich der angeblich verbesserten Luftqualität, die viele Städte vorlegten. Sehnert sprach in diesem Zusammenhang von „kreativen Behörden“. Einer kritischen Prüfung durch eigene Messungen des ADAC hätten die vermeintlichen Erfolge der Umweltzonen nicht standhalten können.
Stattdessen fordere der ADAC Maßnahmen, die beim vorhandenen Verkehr die Partikelemissionen effektiv senkten. Grüne Wellen beispielsweise reduzierten den unerwünschten Feinstaub, bezogen auf Pkw, um die Hälfte. Ebenso schlug Sehnert vor, die teilweise Jahrzehnte alten städtischen Flotten zu erneuern, indem man u. a. Müllfahrzeuge oder Busse mit Hybridantrieb anschaffe, statt weiterhin uralte Diesel-Lkw ohne jegliche Filter und mit hohem Verbrauch einzusetzen.
Zur City Maut äußerte sich Sehnert ebenfalls kritisch. Hier sei eine gut funktionierende Parkraumbewirtschaftung mit benutzerfreundlichen Parkhäusern ein wesentlich effektiveres Steuerungselement für innerstädtischen Verkehr. Darüber hinaus müsse vielerorts der Nahverkehr von Bussen und Bahnen in Kombination mit P+R-Stationen ausgebaut werden. Der stellvertretende ADAC-Vize nannte die Beispiele Oslo, Stockholm und London, wo es schon seit längerem Maut-Erhebungen für die Nutzung von öffentlichen Verkehrswegen gibt. In allen drei Fällen habe die Umwelt mit der Maut nicht entlastet werden können. Die Optimierung des Verkehrsflusses sei nur bedingt gelungen.

Parken macht Innenstädte attraktiv

Dr. Karl-Ludwig Ballreich

Dr. Karl-Ludwig Ballreich

Dr. Karl-Ludwig Ballreich kündigte als Leiter des Fachausschusses Marketing im Bundesverband Parken e. V. den nächsten Vortrag an. Darin befasste sich Prof. Dr. Rolf Monheim mit der Frage, wie sich das Produkt Parken besser vermarkten lässt. Der Wissenschaftler der Universität Bayreuth riet dazu, Parken zu entideologisieren. Das schlechte Image, das kostenpflichtiges Parken zweifelsohne habe, rühre vor allem vom Straßenrandparken her. „Parkhäuser werden nicht wahrgenommen“, so der Professor. Im Ergebnis konkurrierten sie mit dem On-Street-Parken.

Prof. Dr. Rolf Monheim

Prof. Dr. Rolf Monheim

„Parkhäuser sollten beim ruhenden Verkehr in Innenstädten Priorität erhalten“, sagte Monheim. Untersuchungen, die er mit seinem Institut durchgeführt habe, hätten ergeben, dass Benutzer von Parkhäusern ihre angepeilten Ziele zu Fuß viel besser erreichten und dabei deutlich weniger Zeit und Ressourcen beim Suchen eines Parkplatzes vergeudeten, als wenn sie ihr Auto außerhalb eines Parkhauses abstellen. Trotz dieser objektiven Messergebnisse versuchten Autofahrer immer wieder, doch einen kostenlosen Stellplatz im Freien zu finden. Ihre Motivation: vermeintliche Nähe zum Ziel und Kostengründe.
Prof. Monheim kritisierte die mangelhafte Information dieser potenziellen Kunden. Er warf der Parken Branche eine „zu geringe Marktorientierung“ vor. Probleme bereiteten daneben auch die Fixierung des Einzelhandels auf das Straßenrandparken sowie das „Dauerlamento der Händler“. Dem müssten Parkhausbetreiber mit Kommunikationskampagnen entgegenwirken. „Sie stiften Nutzen“, rief er den Zuhörern auf Schalke zu. Er empfahl den Parkhausbetreibern, Netzwerke zu bilden. Selbst Konkurrenten müssten kooperieren, um das Produkt Innenstadt mit seiner gesamten Dienstleistungskette besser zu vermarkten.

Zukunft der Mobilität weiter offen

Wolfgang Lohbeck

Wolfgang Lohbeck

Wer glaubt zu wissen, wie sich die Menschen in 30 Jahren fortbewegen (lassen), täuscht sich. So lautete das Fazit des Greenpeace-Fachmanns Wolfgang Lohbeck. Der derzeit schwelende Elektro-Hype enthalte bei genauer Betrachtung zahlreiche irreale Versprechungen. Zur Überraschung sicher vieler Zuhörer bezeichnete Lohbeck den Verbrennungsmotor derzeit noch für geeigneter als den reinen Elektroantrieb. Ein Ausstoß von 60 Gramm CO2/km sei „Stand der Technik“, 80 Gramm seien jederzeit machbar, wenn man Autos konsequent mit dem Ziel baue, möglichst wenig Kraftstoff zu verbrauchen.
Bei Greenpeace habe man hingegen den E-Smart genauer untersucht. Letztlich verursache der elektrisch angetriebene Kleinstwagen nur ein paar Gramm weniger CO2 – bei der Stromerzeugung wird schließlich auch Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen. Der Einsatz von Atomstrom werde bei diesen Berechnungen ganz nebenbei billigend in Kauf genommen, merkte Lohbeck kritisch an. Hinzu kämen die Verbrauchslügen bei den Herstellerangaben. Ein weiteres Problem bei der E-Mobilität seien die Batterien. Für einen Massenmarkt könnten sie nicht in ausreichender Zahl hergestellt werden, weil der Rohstoff Lithium knapp sei. Auch die Lebensdauer der Batterien sei auf wenige Jahre beschränkt, das Entsorgungsproblem nicht unerheblich. Selbst wenn man bis 2020 eine optimierte Energiedichte bei den Batterien mit einrechne, „sind E-Mobile aus CO2-Sicht kein Fortschritt“, erteilte Lohbeck der Elektromobilität eine klare Absage. Im Ergebnis biete der Verbrennungsmotor mehr Potenziale, wenn man sie nur ausreize, so der Greenpeace-Vertreter.

Aktuelle Rechts- und Steuerfragen

Ulrich Dieckert

Ulrich Dieckert

In einem weiteren Vortrag untersuchte Rechtsanwalt Ulrich Dieckert, Berlin, sehr detailliert die datenschutzrechtlichen Probleme, die sich aus der Anwendung von Videokontrollsystemen in Parkhäusern ergeben können. Den ordnungsgemäßen Betrieb eines Parkhauses könne die Videotechnik in der Tat unterstützen. Sie erhöhe den Selbstschutz für den Betreiber, da Videokontrollen signifikant als abschreckende Maßnahme funktionierten. Die Zahl der Straftaten in Parkhäusern sei ohnehin sehr gering. Fast alle Delikte beschränkten sich auf Diebstahl und Beschädigung – also keineswegs Gewaltverbrechen, wie es in vielen kriminalfilmischen Darstellungen suggeriert wird.
Datenschützer sehen in Videoaufzeichnungen jedoch eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Deshalb dürfe die „optisch-elektronische“ Beobachtung im öffentlich zugänglichen Raum eines Parkhauses zunächst auch nur live, also ohne Datenspeicherung, erfolgen. Wichtige rechtliche Kategorien seien in diesem Zusammenhang die Zweckmäßigkeit, Erforderlichkeit und Verhältnismäßigkeit der Maßnahme. In jedem Fall muss sie kenntlich gemacht werden – selbst wenn nur Kamera-Attrappen angebracht seien. Zu empfehlen sei hierbei eine Formulierung wie: „Die Maßnahme dient nur der Absicherung der Betriebsabläufe.“ Das Wort „Videoüberwachung“ sei rechtlich heikel.

Jens Gewinnus

Jens Gewinnus

RA Jens Gewinnus vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag sprach schließlich über den aktuellen Stand in Sachen Unternehmenssteuerreform. Auch wenn die Veränderungen durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz mit der Absenkung bei unbeweglichen Wirtschaftsgütern von 65 auf 50 Prozent nur marginal gewesen seien, habe dies für Parkhausbetreiber doch eine hohe Relevanz. Das liege am relativ hohen Kostenanteil der Miete im Verhältnis zum Umsatz in dieser Branche.
Derzeit werden verfassungsrechtliche Bedenken gegenüber der Unternehmenssteuer ins Feld geführt. Zahlreiche Parkhausunternehmen hätten bereits Rechtsmittel gegen aktuelle Steuerfestsetzungen eingelegt. In Einzelfällen seien bereits Klageverfahren anhängig. Der Bundesverband Parken e. V. leiste disbezüglich eine hervorragende Unterstützungsarbeit für seine Mitglieder. Da hier jedoch ein langwieriger Gang durch die Instanzen zu erwarten sei, könne man mit baldigen Ergebnissen nicht rechnen. Schon wahrscheinlicher seien da Veränderungen auf politischer Ebene, z. B. im Zusammenhang mit den Reformbestrebungen der Gemeindefinanzierungsmöglichkeiten.
Gewinnus präsentierte am Ende seines Vortrages ein eigenes Konzept als kurzfristige Maßnahme zur Abmilderung der negativen Auswirkungen der Hinzurechnung von Mieten und Pachten bei der Gewerbesteuer eine mögliche Aufwandsauslagerung. Dabei geht es um das Verhältnis von Eigentümer zu Betreiber und Kunde. Im Kern zahlt der Kunde nach einer solchen Auslagerung seine Miete direkt an den Eigentümer, zumindest formal. Der Betreiber erhält eine Vollmacht für den Betrieb und eine Service-Gebühr für seine Dienstleistung. Dazu bedarf es jedoch einiger Veränderungen in der Betriebsform. RA Jens Gewinnus riet, sich für eine solche Maßnahme einem Steuerberater anzuvertrauen, um am Ende nicht stille Reserven zu gefährden.