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„08/15 kann jeder“

Das Fahrzeug passt locker durch die Schranke der Tiefgarage

Das Fahrzeug passt locker durch die Schranke der Tiefgarage

Für Laien eher unspektakulär, ist es für Fachleute doch eine kleine Sensation, die sich in Osnabrück Ende Oktober knapp zehn Meter unter der Erdoberfläche zuträgt. In der Nikolai-Tiefgarage feiert ein Spezialfahrzeug Weltpremiere, das die Abwasserrohre durchspült und gleichzeitig Schlamm und Abwasser in einen mitgebrachten Tank absaugt. Diese Arbeiten waren bis dato nur mit viel Aufwand und Teilsperrungen der Parkflächen zu bewältigen.

Sein „Baby“: Holger Nyenhuis vor dem VW T5 Spezialumbau

Sein „Baby“: Holger Nyenhuis vor dem VW T5 Spezialumbau

Holger Nyenhuis, Geschäftsführer eines gleichnamigen Fachbetriebs für Wasser- und Kanaltechnik aus Rheine, ist sichtlich stolz auf sein Spezialfahrzeug. „Im Prinzip ist das ein T5 VW-Bus. Doch mit der handelsüblichen Variante hat dieses Fahrzeug nichts mehr gemeinsam“, erklärt der Chef der Nyenhuis Umweltservice GmbH. Rund zwei Jahre hat der Tüftler entwickelt, gebaut und getestet, um eine überzeugende Lösung für ein typisches Tiefgaragen-Problem auf die Räder zu stellen.

Im Grunde sei ein „Wunsch Vater des Gedankens“ gewesen, sagt Rudolf Borckmeyer, technischer Betreuer von Parkierungseinrichtungen der OPG Unternehmensgruppe. Das Reinigen der meist gusseisernen Abwasserrohre in Tiefgaragen oder Parkhäusern sei nämlich sehr aufwendig, erzählt Borckmeyer. Es habe bislang einfach kein Fahrzeug gegeben, das über Spül- und Saugvorrichtungen sowie ausreichend dimensionierte Tanks für Spül- und Schmutzwasser verfügt und zugleich in eine Tiefgarage oder ein enges Parkhaus fahren kann. Für Hochbauten mit großzügiger Geschosshöhe existierten durchaus brauchbare Reinigungsfahrzeuge oder auch entsprechend bestückte Anhänger, so Borckmeyer. Doch für den Einsatz in Tiefgaragen oder Parkhäusern mit einer Einfahrtshöhe von rund zwei Metern habe er in Deutschland und den benachbarten Ländern keinen Anbieter mit entsprechendem Spezialgerät gefunden.

Und so sprach die OPG ihren Reinigungsdienstleister Holger Nyenhuis an, ob er nicht Abhilfe wüsste. Für den technikbegeisterten Unternehmer war das eine Herausforderung, die er annahm. Was folgte, waren zwei Jahre Entwicklungszeit und einige Investitionen. „Aber“, sagt Nyenhuis, „08/15 kann jeder. Heutzutage muss man sich mit besonderen Lösungen am Markt behaupten.“

Einige technische Daten

Das Fahrzeug ist grob gesagt ein tiefer gelegter VW T5 mit einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen, der damit unter der von der EU verordneten Gewichtsgrenze für Pkw liegt. Unter anderem ist das wichtig für die Fahrer des „T5“, die hinsichtlich ihres Führerscheins keine Zusatzqualifikationen benötigen. Außerdem hätte ein Fahrzeug in Lkw-Größe keine Chance beim Einfahren in Tiefgaragen.

Der schwarze Schlauch mit Rotationsdüse spült, der gelbe saugt, im Hintergrund (r.) Mitarbeiter des Betreibers OPG

Der schwarze Schlauch mit Rotationsdüse spült, der gelbe saugt, im Hintergrund (r.) Mitarbeiter des Betreibers OPG

Die wichtigsten Aufbauten des nur 1,82 Meter hohen Fahrzeugs sind ein 700 Liter fassender  Frischwassertank fürs Spülen und ein 800 Liter-Tank zur Aufnahme von Schlamm und Schmutzwasser. Des Weiteren sind am Heck des T5 zwei Trommeln angebracht, auf denen Spül- und Saugschlauch aufgewickelt sind. Dazu kommt ein Motor mit einer Spülleistung von 60 Litern pro Minute bei einem Druck von 140 bar und eine Menge Steuertechnik. Der Spülschlauch verfügt an der Spitze über Rotationsdüsen, die eine Rundumreinigung der Rohre ermöglichen.

Geglückte Generalprobe

Beim ersten Einsatz des Fahrzeugs in der Osnabrücker Nikolai-Garage, die von der OPG betrieben wird, klappt alles wie am Schnürchen. Das Fahrzeug kommt locker durch die Einfahrt und um alle engen Kurven der Tiefgarage mit ihren drei unterirdischen Ebenen. Auch beim Hinausfahren zum Entleeren des Schmutzwassertanks gibts selbst beim Anfahren auf einer richtig steilen Rampe kein Problem – Allradantrieb und allerlei elektronischen Hilfen sei Dank. Draußen steht ein Spezialcontainer der Firma Nyenhuis, in den der Schlamm und die Feststoffe abgelassen werden.

Der Reinigungsvorgang geht zügig voran und stört den Parkhausbetrieb nicht. Dabei steuert das Team von Holger Nyenhuis jeweils einen Sichtschacht an, das T5-Fahrzeug parkt am Rand der Fahrgasse, und die Mitarbeiter von Nyenhuis lassen die beiden Schläuche nach Öffnen der Schachtdeckel in den Abwasserkanal hinein. Über eine Fernbedienung wird der Spül- und Saugvorgang gestartet, der so lange läuft, bis die Ablagerungen aus dem Rohrabschnitt ausgespült sind.

Bedieneinheit des Spezialfahrzeugs

Bedieneinheit des Spezialfahrzeugs

Für den erstmaligen Einsatz in der Nikolai-Garage mit ihren 460 Stellplätzen reichen rund zwei Arbeitstage, um auf den drei Parkebenen alle Abwasserkanäle gründlich durchzuspülen. „Bei regelmäßiger Reinigung reduziert sich der zeitliche Aufwand. Die Dauer des Einsatzes hängt nämlich stark vom Grad der Verschmutzung ab“, erläutert Holger Nyenhuis. Der Umwelttechniker hält aus diesem Grund auch nichts von einmaligen Aktionen oder Notfalleinsätzen, wenn das Wasser schon steht. Deshalb bietet er den Einsatz seines Spezialfahrzeugs zusammen mit einem Wartungsvertrag an – übrigens bundesweit und auch in den Nachbarländern. Nur wenn man die Abwasserrohre regelmäßig reinige, könne man als Dienstleister für einen einwandfreien Zustand der Kanäle sorgen – und schlimmere Schäden an den gusseisernen Rohren oder der Bauwerkssubstanz verhindern. Als Wartungsintervall empfehlen der Experte und auch die Betreiber der OPG zwei Reinigungseinsätze pro Jahr: im Frühjahr und im Herbst.

Hintergrund: Ablagerungen im Abwasser

Die meist gusseisernen Abwasserrohre in Tiefgaragen transportieren von Autos eingebrachtes Schmutzwasser in Auffangbecken. Von diesen Reservoirs schaffen Pumpen das Abwasser nach oben, damit es in die öffentliche Kanalisation abfließen kann. Besonderen Belastungen sind die Eisenrohre durch streusalzhaltiges Schmelzwasser im Winter ausgesetzt. Salzablagerungen können zu Korrosion führen und die Rohre, schlimmstenfalls sogar die Gebäudesubstanz, zerstören. Aber auch Schlamm, Laub, Sand und sonstiger Schmutz können durch Ablagerungen die Funktion der Rohre beeinträchtigen. Salz und Schmutzablagerungen können zudem die Pumpen beschädigen. Im Gegensatz zu Abwasserrohren direkt unter der Erdoberfläche werden die Rohre in Tiefgaragen nicht ständig von Wasser durchspült. Das begünstigt Ablagerungen und Korrosion.

Weitere Informationen: www.nyenhuis-kanaltechnik.de