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„Das Parkhaus der Zukunft ist schrankenlos“

Valentin Rüther (links) im Gespräch mit Marko Ruh, Chefredakteur Parken aktuell. Fotos (2): Florian Meurer/Maenken Kommunikation

Valentin Rüther steht als Geschäftsführer an der Spitze der HIB Huber Integralbau GmbH. Im Interview mit Parken aktuell spricht er über aktuelle Trends und Entwicklungen im Parkhausbau.

 

Parken aktuell: Herr Rüther, Huber expandiert seit Jahren. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Valentin Rüther:1990 wurde das Unternehmen gegründet. Unsere grundsätzliche Geschäftsidee war die Spezialisierung auf den Parkhausbau, und darauf beruht unser Erfolg sicher zu großen Teilen. So konnten wir uns immer mehr in das Produkt hinein verwurzeln, sind jetzt selbst manchmal Investor und Betreiber. Aus diesen vertieften Gedanken zum Produkt Parkhaus ist mittlerweile ein Komplettsystem entstanden. Unsere neueste Innovation ist das Smart Parking im 360-Grad-Parkhaus, das wir jetzt auf der Messe PARKEN vorstellen werden.

Parken aktuell: Können Sie diesen 360-Grad-Gedanken und das Smarte daran ein wenig umreißen?

Valentin Rüther: Unter Smart Parking verstehen wir unter anderem das Digitale, den gesamten Datenfluss und die Steuerung im Parkhaus. Es beginnt an der Ein- und Ausfahrt: Es gibt dort keine Schranke mehr. Nutzer müssen keine enge Spur mehr halten, sondern können bequem hinein- und hinausfahren. Wer möchte, kann bargeldlos bezahlen, bis zu 48 Stunden später auch online quasi vom Sofa aus. Das sind Markenzeichen der Firma Autopay, an der wir uns vor zwei Jahren beteiligt haben. Kunden, die sich nicht online anmelden wollen, können nach wie vor durch Eingabe Ihres Kennzeichens am Kassenautomaten bar bezahlen.

Parken aktuell: Das System beruht also auf Kennzeichenerkennung?

Valentin Rüther: Ja.

Parken aktuell: Glauben Sie demnach, dass das Parkhaus der Zukunft schrankenlos ist?

Valentin Rüther: Definitiv. Dazu gehört aber noch mehr, zum Beispiel die Möglichkeit, die Preise dynamisch zu gestalten oder Parkflächen dynamisch zuzuweisen. Betreiber können dadurch in der Vermarktung ganz anders agieren. Auch weil die Parkhäuser bis in die Stellplätze hinein vernetzt sind. Das wird in den nächsten paar Jahren Standard werden.

Parken aktuell: Welche weiteren Vorteile sehen Sie?

Valentin Rüther: Durch ein zusätzliches dynamisches Parkleitsystem, das jeden einzelnen Stellplatz überwacht, haben wir eine viel schnellere Befüllung und Entleerung dieser Parkhäuser. Außerdem lässt sich der Standort jedes Fahrzeugs im Parkhaus jederzeit feststellen. Darüber hinaus wissen wir genau, welche Parkplätze noch frei sind und können diese Daten nach außen geben, um sie auf großen Plattformen anzubieten und auch in die Navigationssysteme der Autos hineinzugeben.

Parken aktuell: Ist ein solches System in Deutschland überhaupt zulässig?

Valentin Rüther: Das Datenschutzthema ist abgeklärt worden. Es gibt bereits vier Standorte, wo mit Autopay betrieben wird. In Skandinavien ist es längst verbreitet, als Referenz kann man etwa den Flughafen in Oslo nennen.

Parken aktuell: Sie gehen also viel tiefer in das Thema hinein und sind nicht „nur“ ein Bauunternehmen, das sich um Statik und Rohbau kümmert…

Valentin Rüther: Das ist für uns die Grundaufgabe, die Nutzung des Gebäudes ist quasi die Kür. Unsere Aufgabe sehen wir darin, das beste Konzept für den Kunden zu entwickeln. Dabei muss man auch jedes Parkhaus einzeln betrachten.

Parken aktuell: Das klingt nach individueller Planung. Andererseits sind Sie doch Systemhersteller. Wie passt das zusammen?

Valentin Rüther: Wir verfolgen eine Bauweise, die eine systematisierte Fertigung zulässt, jedoch individuell gefertigt wird pro Objekt. Das heißt, wir produzieren keine Systembauteile, die aus der Lagerhaltung abgerufen werden, sondern planen und produzieren individuell für den Kunden. Dafür haben wir die größtmögliche Flexibilität in unserem System. Ein Beispiel: Decken werden bei uns vor Ort ausgegossen. So können wir wirklich jeden Grundriss realisieren.

Parken aktuell: Was sind die zentralen Unterschiede zum Bau mit Fertigteilen?

Innovation von Huber: Geschäftsführer Rüther zeigt eine selbst entwickelte Entwässerungsrinne für Parkdecks, die unmittelbar an die Betondecke anschließt.

Valentin Rüther: Dass Sie bei uns einen durchgehend homogenen Oberflächenbelag haben. Wir haben keine Fugen darin und keine überfahrbaren Einbauteile für Entwässerung.

Parken aktuell: Gibt es dennoch gewisse HUBER Standards?

Valentin Rüther: Es gibt eine Menge Standards, für Entwässerung, für Anprallschutz, Fassadenunterkonstruktion, verschiedene Fassadensysteme, für alles gibt es aber auch verschiedene Optionen.

Parken aktuell: Wie halten Sie es mit der Beleuchtung?

Valentin Rüther: Wir haben mit unserem Elektropartner ELB ein Steuerungssystem entwickelt, mit dem man jede Lampe ansteuern und so das Parkhaus bedarfsgerecht ausleuchten kann. Wenn sich niemand im Parkhaus bewegt, wird die Beleuchtung komplett heruntergefahren. Damit realisieren wir eine große Stromersparnis.

Parken aktuell: Was mit LED sicher leichter möglich ist als mit konventionellen Leuchtröhren?

Valentin Rüther: Wir arbeiten nur noch mit LED, bei uns gibt es gar nichts anderes mehr.

Parken aktuell: Welche Rampenausführungen können Sie mit Ihrem System anbieten?

Valentin Rüther: Mit unserem flexiblen System können wir alle möglichen Rampenvarianten in Parkhäusern wirtschaftlich umsetzen. Wir bauen Vollgeschossrampen, Split-Level-Parkhäuser – bis hin zu Rampenparkhäusern, die wir sehr gern bauen. In Deutschland wird diese Rampenvariante allerdings nicht so oft nachgefragt. Darüber hinaus können die Stellplätze in allen Varianten von 90° bis 45° angeordnet werden.

Parken aktuell: Welche Bodenbeläge bevorzugen Sie?

Valentin Rüther: Vom System her können wir alles anbieten, was der Markt hergibt. Allerdings: Grundsätzlich führen wir eine Kunstharzbeschichtung als Schutz unserer Betondecken aus, aber auch Gussasphalt wird häufig verwendet. Unbeschichtete Betondecken bietet HUBER nicht an.

Parken aktuell: Welches Parkdeckgefälle empfehlen Sie?

Valentin Rüther: Mindestens zwei Prozent, bis hin zu drei Prozent. Das hängt vom Oberflächenbelag ab. Beschichtungssysteme sind glatter, da reichen zwei Prozent. Gussasphalt ist etwas rauer, da gehen wir auf drei Prozent Gefälle, damit das Wasser weniger stehen bleibt. Eine Entwässerungsplanung wird beim Parkhausbau leider häufig vergessen oder nur stiefmütterlich beachtet. Die ist aber sehr wichtig, weil die Schäden am Ende von den Chloriden kommen und diese werden vom Wasser transportiert.

Parken aktuell: Wie viele Parkhäuser haben Sie 2018 gebaut?

Valentin Rüther: Eher interessant ist, wie viel Stellplätze wir gebaut haben. Insgesamt waren das 10.465 Stellplätze, davon entfielen 4.550 auf HIB Huber Integral Bau und 5.915 auf unsere internationale Sparte HUBER car park systems international.

Parken aktuell: Gab es ein herausragendes Projekt?

Valentin Rüther: Wir haben einen Großauftrag mit einem Volumen von rund 30 Millionen Pfund am Londoner Wembley-Stadion, wo wir mit 900 Parkbuchten zwar nicht so viele Stellplätze erstellen, aber zusätzlich noch Platz für 300 Busse und TV-Übertragungswagen entsteht. Eine Besonderheit ist auch die Feuerwiderstandsdauer von 120 Minuten.

Parken aktuell: Wie kommt es, dass Sie gerade in Großbritannien so aktiv sind?

Valentin Rüther: Da wir uns stark spezialisiert haben, ist es sinnvoll, sich nicht nur auf einen Markt zu konzentrieren. Überall kommen mal gute und mal schlechte Zeiten. Da ist es besser, wenn auf mehreren Märkten tätig ist. In Großbritannien sind wir mittlerweile Marktführer im Parkhausbau.

Parken aktuell: Ist Smart Parking und auch der Betrieb von Parkhäusern Ihre Unternehmensstrategie für die Zukunft?

Valentin Rüther: Wenn Sie sich die Zahlen unserer Unternehmensgruppe anschauen, haben wir in den vergangenen 10 Jahren ein sehr dynamisches Wachstum hingelegt, sind mittlerweile bei über 120 Mitarbeitern in den Baugesellschaften und 35 Mitarbeitern in den Betreibergesellschaften – ohne die Mitarbeiter, die in den Beteiligungsgesellschaften tätig sind. Wir wachsen seit Jahren im zweistelligen Prozentbereich. Auch die Umsätze sind entsprechend gestiegen und wir sind damit klar die Nummer zwei in der Branche. Unser Geschäftsmodell bleibt, schlüsselfertige Parkhäuser für Kunden zu bauen. Wenn der Kunde allerdings fragt, ob wir das Parkhaus für ihn betreiben oder in das Objekt mit investieren, dann sind wir ebenfalls die richtigen Ansprechpartner.

Parken aktuell: Wie würden Sie Huber charakterisieren?

Valentin Rüther: Huber ist ein familiär geführtes mittelständisches Unternehmen. Das macht auch die gute Atmosphäre hier im Haus aus. Unsere Mitarbeiter stehen hinter der Firma und dem Produkt. Wir haben einen guten Teamgeist und ein durchmischtes Team von jung bis alt, das sich aus 22 Nationen zusammensetzt.

Parken aktuell: Erkennt man bei Ihrer Art der Fassadengestaltung eine eigene Handschrift?

Valentin Rüther: Wir legen schon Wert auf unser Design und sind froh, wenn wir ein Parkhaus mit einer schönen Fassade bauen dürfen. Dabei möchten wir natürlich unsere Stärken hervorheben: Neben Flexibilität und Individualität darf das durchaus an der Fassade zu sehen sein. Die Entwürfe für Fassaden kommen übrigens überwiegend aus unserem Haus, nur dadurch lässt sich das auch wirtschaftlich realisieren.

 

 

HIB Huber Integral Bau

Aus der HIB Huber Integral Bau GmbH hat sich eine ganze Gruppe von Firmen entwickelt, die sich mit dem Thema Parken beschäftigt. Das Ursprungsunternehmen stellt Systemparkhäuser her, auf internationaler Ebene entsprechend die HUBER car park systems. Daneben gibt es verschiedene Betreiber- und Objektgesellschaften, zum Beispiel die HIB Parkraum Nürtingen, die in Parkhäuser investieren und diese auch betreiben. Schließlich hat HUBER Beteiligungen an Partnerunternehmen, zum Beispiel an der Firma Metalbark in Polen (einem Stahlbauproduktionsbetrieb mit modernster Technologie) oder der ELB im Vogtland, die seit 20 Jahren HUBER- Parkhäuser verkabelt und die Elektroinstallationen plant. Seit zwei Jahren ist man zudem an der Firma Autopay beteiligt, die sich mit bargeld- und schrankenlosen Systemen befasst.

 

 

Valentin Rüther. Foto: HIB Huber Integral Bau GmbH

Valentin Rüther ist seit 2005 Geschäftsführer der HIB Huber Integral Bau GmbH in Rheinbrohl und greift auf eine über 20-jährige Erfahrung im Parkhausbau zurück. Bereits während seines Bauingenieursstudiums gründete er 1997 mit Partnern die RÜKO GmbH in Karlsruhe, welche heute ein Hauptgesellschafter der Huber Unternehmen ist. Die Hauptverantwortlichkeiten des Bauingenieurs liegen in der Firmen- und Geschäftsentwicklung und der Entwicklung von Planungs-, Bau-, und Betriebskonzepten für Parkhäuser sowohl national als auch international.