Parkraum-Management · Konzeption · Technik
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Qualität zu günstigen Preisen

Parken aktuell Chefredakteur Marko Ruh (r.) im Gespräch mit Michael Kesseler. Foto: Sandra Pröhl

Contipark bietet seit 50 Jahren Dienstleistungen rund ums Parken an. Geschäftsfühhrer Michael Kesseler über Parkgebühren und die Zukunft der Parken Branche.

Parken aktuell: Herr Kesseler, wo und wann entstand Contipark?

Michael Kesseler: Es begann hier in Berlin vor genau 50 Jahren. Das erste Objekt, das Contipark in Betrieb nahm, war das Parkhaus im Europa-Center, eines der ersten Shopping-Center Deutschlands. Über den Erbauer, den Berliner Architekten Karl-Heinz Pepper, entstand der Kontakt zur Familie De Clerk, die in Belgien mit der Interparking Gesellschaft bereits seit mehreren Jahren im Parken-Geschäft tätig war und dieses nach Deutschland ausweiten wollte.

Parken aktuell: Wie hat sich Interparking danach weiter entwickelt?

Kesseler: Weitere Länder wie Frankreich, Österreich, Spanien, Italien, Rumänien, Polen und die Niederlande kamen hinzu und es entstand die Interparking Group, heute einer der Marktführer in Europa.

Parken aktuell: Und Sie als Contipark?

Kesseler: Contipark gibt es nur in Deutschland und Österreich. Die einzelnen Länder der Interparking Group sind aber alle selbstständige Unternehmen.

Parken aktuell: Welche Geschäftsfelder dominieren?

Kesseler: Wir machen im Prinzip alles, was mit dem Parken zu tun hat. Grundsätzlich ist unser Geschäft innerstädtisch geprägt und shopping-lastig. Einen Schwerpunkt legen wir auf Eigentum oder langfristige Mietverträge. Mit unserer Tochtergesellschaft BahnPark haben wir ein zweites Standbein an den Bahn-Standorten.

Parken aktuell: Ihre Marktposition?

Kesseler: Es kommt natürlich immer darauf an, wie man es definiert, aber wir sehen uns als die Nummer eins in Deutschland. Mit über 500 Standorten allein in Deutschland sind wir in fast 180 Städten vertreten, was kein anderer bieten kann.

Parken aktuell: Wo sehen Sie noch Entwicklungspotenzial?

Kesseler: Schwierige Frage. In der Presse liest man immer wieder Berichte, in denen Parken als einfaches und einträgliches Geschäft dargestellt wird. Aus meiner Sicht ist das nicht ganz so. Zum einen muss man sehen, dass wir einen riesigen gesamtwirtschaftlichen Wandel hin zum E-Commerce hatten. In der Vergangenheit sind die Leute noch 200 Mal im Jahr zum Einkaufen gegangen, heute nur noch 100 Mal. Außerdem sind in den letzten zehn Jahren immer mehr Shopping-Center in Deutschland entstanden und damit immer mehr Möglichkeiten zum Einkaufen bei einer etwa gleichbleibenden Bevölkerungszahl. Hinzu kommt ein verändertes Mobilitätsverhalten. Für die Jugend ist das Auto nicht mehr ganz so interessant.

Parken aktuell: Welche Folgen hat das?

Kesseler: Das führt dazu, dass die Frequenzen in Deutschlands Parkhäusern konstant zurückgehen. Im Gegenzug dazu sind in den letzten 15 Jahren die Mieten für Parkhaus-Pächter deutlich gestiegen. Die Margen gehen da ganz erheblich zurück. Für Parkhäuser im Eigentum sind die Preise in den Himmel geschossen. Meldungen darüber, dass man in Parkhäuser investieren soll – auch als Privatanleger in Fonds, weil das so ein sicheres Geschäft sei –, halte ich für bedenklich, gerade auch vor dem Hintergrund der Diskusionen über die City-Maut und der Einfahrtsverbote von bestimmten Fahrzeugen in Städten.

Parken aktuell: Das klingt alles eher skeptisch.

Kesseler: Man muss eben was tun. Wir haben uns auf die Fahne und in unser Leitbild geschrieben: Wir bieten Qualität rund ums Parken zu einem überlegenen Preis-Leistungs-Verhältnis. Das, denke ich, tun wir konsequent. Unsere Parkhäuser haben mit die höchsten Standards in der Branche, die Preise sind im Vergleich zum Wettbewerb deutlich günstiger. Unsere Frequenzen entwickeln sich sehr positiv und wir sind über diese Entwicklung sehr zufrieden.

Parken aktuell: Was umfasst Qualität für Sie konkret?

Kesseler: Alle baulichen und technischen Aspekte, bargeldlose Bezahlmöglichkeiten wie EC- oder Kreditkarte Karte oder unsere P Card. Das geht weiter über Sauberkeit, Instandhaltung, gut geschulte Mitarbeiter, Leitstände, Digitalisierung…

Parken aktuell: Stichwort Digitalisierung. Was verstehen Sie darunter als Parkhausbetreiber?

Kesseler: Nicht, dass die Schranke automatisch hoch und runter geht, wenn ein Auto vorfährt; das ist ein alter Hut. Digitalisierung fängt an beim Front-End zum Kunden – informieren, kommunizieren, buchen, reservieren, bargeldlose Abrechnung über den Kundenaccount – und endet in der unserer gesamten Administration. Wenn der Kunde eine Aktion beim Parken ausführt, muss das automatisch in der Buchhaltung landen, ohne dass jemand händisch etwas dafür tun muss. Auch die internen Prozesse gehören zur Digitalisierung.

Parken aktuell: Und Big Data – wichtig für die Parken Branche?

Kesseler: Was interessieren mich als Parkhausbetreiber die Daten meiner Kunden? Die interessieren mich überhaupt nicht. Ich brauche nur den Kontakt zum Kunden und die Kundenbindung , um mein Geschäft zu steuern. Wir erheben ansonsten keine Kundendaten und erstellen auch keine Profile. Wir verkaufen auch keine Daten, sondern betreiben ausschließlich professionell unsere Parkplätze

Parken aktuell: Mit vielen Daten arbeiten jedoch neue Drittanbieter, die Apps als Alternative zum klassischen Parkvorgang einsetzen wollen. Sehen Sie diese Start-ups als Bedrohung oder als Chance?

Kesseler: Eine Bedrohung sehe ich da momentan überhaupt nicht. Wir beobachten das alles. Wo es Sinn macht, werden wir in Zukunft mitmachen. Für mich ist jedoch immer eines entscheidend: Wird das vom Parkenden genutzt? Es gibt durchaus tolle Geschäftsmodelle und Ideen für Zusatz-Services oder neue Payment- und Abrechnungs-Lösungen. Aber wenn man nachfragt, wie viele Kunden das im letzten Monat tatsächlich genutzt haben, kommen als Antwort meist verschwindend geringe Zahlen. Also frage ich mich, ob das Dinge sind, die überhaupt gebraucht werden.

Parken aktuell: Die meisten vermitteln ja im Grunde auch nur.

Kesseler: Aber auch da: Wie viel wird denn überhaupt vermittelt? Wenn ich das mit unserer P Card vergleiche und den Parkvorgängen, die dahinter stecken. Im Schnitt kommen wir damit bereits auf rund 500.000 Parkvorgänge pro Monat – allein mit der P Card. Das ist eine beeindruckende Zahl, die mir zeigt, dass das Produkt tatsächlich auch nachgefragt wird und beim Endverbraucher ankommt.

Parken aktuell: Wie funktioniert das mit der P Card und wie realisieren Sie die Kundenbindung und den Kundenkontakt?

Kesseler: Mit der P Card machen wir das Ticket-Ziehen an der Einfahrt und das Bezahlen am Kassenautomaten in mehr als 300 Standorten allein in Deutschland überflüssig. Im März 2017 hatten wir bereits mehr als 120.000 Kunden und jeden Monat kommen rund 5.000 neue Registrierungen hinzu. Unsere Kunden lieben diesen Service und erhalten über unseren P Card Newsletter wichtige Informationen rund um unsere Angebote. Besonders stolz sind wir auf unseren Facebook-Auftritt, mit dem wir nicht nur den Kontakt zu unseren Kunden intensivieren, sondern der uns mit den über 12.000 Fans zeigt, dass wir ganz vorn in unserer Branche sind.

Parken aktuell: Sind dynamische Tarife für Sie ein Thema?

Kesseler: Auslastungsabhängigen Tarifen, sogenanntem Yield Management, stehe ich sehr skeptisch gegenüber. Ich halte das unter anderem deshalb für schwierig, weil unser Kunde in der Regel der Privatkunde ist, der das Parken nicht steuerlich oder betrieblich absetzen kann. Außerdem hat dieser Kunde erstens keine Lust, zu viel zu zahlen, und zweitens will er wissen, was er für das Parken bezahlen muss, wenn er zuhause losfährt. Der hat lieber im Kopf, wo er sich das Parken leisten kann und möchte sich auf die Tarifinformation verlassen können.

Parken aktuell: Wie sieht es mit der Taktung aus?

Kesseler: Das ist ein Problem. Wenn wir die Taktung runterfahren würden, müssten wir das Preisniveau insgesamt anheben.

Parken aktuell: Eine feinere Taktung würden Kunden aber schon als fairer empfinden, oder?

Kesseler: Ja, langfristig wird die Tendenz deshalb auch zu feineren Taktungen gehen, glaube ich. Aber nicht der umgekehrte Weg: Ich habe zwei Euro pro Stunde und verkürze die Taktzeit auf 45 Minuten – das ist nicht das, was der Kunde will.

Parken aktuell: Also keine Abzocke?

Kesseler: Ich glaube, dass wir immer mehr Wert auf Service und Dienstleistungsqualität legen müssen, besonders in der Kommunikation mit unseren Kunden und gerade in der digitalen Welt, in der alles viel transparenter wird. Wir müssen reagieren; in den sozialen Netzwerken vertreten sein.

Parken aktuell: Stellen Sie fest, dass die Kommunikation mit Ihrem Leitstand beziehungsweise Kunden-Service-Center in den letzten Jahren zugenommen hat?

Kesseler: Gigantisch! Wir haben zehntausende bis demnächst hunderttausend Kundenkontakte pro Monat – aus sehr verschiedenen Gründen. Das Wenigste sind Beschwerden. Sehr viel Anfragen kommen zu unserer P Card von Kunden, die sich informieren wollen über Tarife, Preise, Lage oder Ausstattung von Parkhäusern. Und das über verschiedenste Kanäle, also nicht nur telefonisch, sondern auch über E-Mail und die sozialen Netze. Deshalb haben wir unser Kunden-Service-Center personell auch kontinuierlich aufgestockt.

Parken aktuell: Fühlen Sie sich gut gerüstet für die Zukunft?

Kesseler: Ich denke, wir sind sehr gut aufgestellt. Wir haben ein gutes Portfolio, ein zweites Standbein mit der BahnPark. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, sehr viele Mitarbeiter und Führungskräfte, die schon lange bei Contipark beschäftigt sind und eine sehr geringe Fluktuation. Wir haben dadurch sehr viel Know-how aufgebaut und auch ein sehr gutes Standing im Markt. Klar muss man beobachten, was draußen passiert – Startups oder die Automobilindustrie, die in unsere Branche drängen – und immer aufpassen. Aber im Großen und Ganzen bin ich sehr optimistisch für die Zukunft.