Parkraum-Management · Konzeption · Technik
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„In den Kunden investieren“

Seit einem knappen halben Jahr steht Philippe Op de Beeck an der Spitze der APCOA PARKING Holdings GmbH. Was sich der CEO für die kommenden Jahre vorgenommen hat, schildert er im Interview mit Parken aktuell.

Fotos: APCOA/Parken aktuell

Parken aktuell: Herr Op de Beeck, technologisch möglich ist vieles, aber welche Innovationen bietet APCOA heute bereits tatsächlich an?

Philippe Op de Beeck: In unseren Häusern in Schwäbisch Gmünd haben wir eine RFID-basierte Lösung im Einsatz. Wenn sich das Auto der Schranke nähert, öffnet diese sich automatisch, abgerechnet wird von einem Kundenkonto. Diese Technologie wollen wir in 18 Monaten in einem Großteil unserer Parkhäuser in Deutschland anbieten. In anderen Märkten funktioniert die barrierefreie Einfahrt und automatische Abrechnung über die Nummernschilderkennung. In Skandinavien zahlen 80 Prozent unserer Kunden heute schon bargeldlos, die Mehrheit davon mit Apps, also nicht einmal mehr mit der Kreditkarte. Cash-Handling ist umständlich, teuer, unsicher und nicht mehr zeitgemäß.

Parken aktuell: Welche weiteren Trends zeichnen sich aus Ihrer Sicht ab?

Philippe Op de Beeck: Die Online-Reservierung über unsere eigene App nimmt richtig Fahrt auf, die Anzahl der Buchungen verdoppelt sich jedes Jahr. Zum großen Teil zahlen die Kunden dabei im Voraus, also prepaid. Vor allem in Norwegen wird das sehr gut angenommen. Die Frage in Deutschland wird sein, wie wir dem Kunden deutlich machen, was möglich ist und was sich geändert hat. Die technische Lösung ist nicht das Problem. Es gibt sehr gute Apps, die aber kaum ein Kunde nutzt.

Parken aktuell: Eigentlich ginge also viel mehr…

Philippe Op de Beeck: Der Konsument scheint es hier im Moment noch nicht nachzufragen, wobei das keine Entschuldigung sein soll. Denken Sie an Uber: Das war keine Konsumentenentscheidung, sondern jemand hatte eine gute Idee. Also müssen wir als Anbieter etwas tun: Wir werden einen Großteil unserer Parkhäuser in den nächsten zwölf bis18 Monaten digitalisieren und so vorbereiten, dass man unabhängig vom Endkundenkreis automatisch hineinfahren kann.

Parken aktuell: Was verstehen Sie unter Digitalisierung eines Parkhauses?

Philippe Op de Beeck: Im ersten Schritt vor allem, dass der Kunde hineinfahren kann, ohne ein Ticket zu ziehen, und hinausfahren kann, ohne an einen Kassenautomaten zu gehen. Im nächsten Schritt werden weitere Services dazukommen wie die Navigation zum vorreservierten Parkplatz. Bis dahin wird aber noch etwas Zeit vergehen.

Parken aktuell: Besteht ein Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Elektromobilität und der Digitalisierung in der Parken Branche?

Philippe Op de Beeck: Ja. Dazu muss man nur nach Skandinavien blicken, wo der Markt am weitesten entwickelt ist, insbesondere in Norwegen. Allein in Oslo gibt es hunderte von Ladestationen, viele davon on-street.

Parken aktuell: Sie möchten die Lade-Infrastruktur jetzt auch in Deutschland massiv ausbauen. Ist das ein Teil Ihrer Strategie, ein neues Zusatzgeschäft für Parkhausbetreiber?

Philippe Op de Beeck: Ja, wir installieren hierzulande 200 neue Ladestationen bis Ende des Jahres. Wir haben den Platz, und es wird die Zeit kommen, in der man als Parkhausbetreiber Ladestationen haben muss. Im Moment ist es vielleicht nur ein zusätzlicher Service, noch werden die Ladestationen wenig genutzt, weil es kaum Elektroautos gibt. Aber immerhin: Hier am Flughafen beispielsweise wird es doch langsam mehr. Einer muss eben den Anfang machen.

Parken aktuell: Damit verbunden sind aber auch Investitionen?

Philippe Op de Beeck: Ganz erheblich, ja.

Parken aktuell: Haben Sie Investoren im Hintergrund oder wie stemmen Sie diese Investitionen?

Philippe Op de Beeck: Wir haben jetzt Centerbridge als Hauptaktionär und sind damit sehr gut aufgestellt. Die ganze Periode der Unruhen bei APCOA ist längst vorbei. Wobei APCOA auch in dieser Phase der Unsicherheiten noch gewachsen ist, was die Stärke des Unternehmens zeigt. APCOA ist kein Sanierungsfall, sondern ein Unternehmen mit Wachstumspotenzial.

Parken aktuell: Wie wollen Sie das Wachstum erreichen? Durch die Akquise neuer Objekte?

Philippe Op de Beeck: Ja, absolut, aber immer zusammen mit einem Investor. Das können Neubauten sein, aber auch bestehende Objekte, die wir von jemand anderem übernehmen. Darüber hinaus setzen wir auf Wachstum, das durch unsere Endkunden kommt, für die wir mehr Convenience bieten und mehr leisten. Im Bereich der Langzeitmieten steckt ebenfalls Potenzial. Wir haben prinzipiell zwei Arten von Kunden: auf der einen Seite Eigentümer – wie Flughäfen, Krankenhäuser oder Investmentfonds – und auf der anderen Seite Endverbraucher. Diese beiden Bereiche werden wir zunehmend getrennt voneinander behandeln und von unseren Stärken überzeugen.

Parken aktuell: Wie wichtig ist der deutsche Markt für Sie?

Philippe Op de Beeck: Deutschland ist mit zirka 30 Prozent unseres Geschäfts sehr wichtig.

Parken aktuell: Sie erwähnten bei einem Vortrag, dass in Deutschland rund 50 Prozent der Parkraumbewirtschaftung noch in kommunaler Hand liegen. Steckt da für Sie auch Potenzial drin?

Philippe Op de Beeck: Ob es ein Flughafen ist, ein Krankenhaus, ein Bahnhof oder ein Shopping-Center, das sind für uns jeweils spezielle Sektoren mit bestimmten Eigenheiten, für die wir unterschiedliche Modelle anwenden müssen. Wenn der Bereich groß genug ist, haben wir dafür eigene Vertriebsleute, die sich nur darauf konzentrieren – zum Beispiel auch alles, was mit Städten zu tun hat. Also ja, das ist ein interessanter Bereich.

Parken aktuell: Glauben Sie, dass Akteure, die sich nicht in Richtung Kundenorientierung und Convenience bewegen, mittelfristig vom Markt verschwinden?

Philippe  Op de Beeck: Ja, und der Druck innovative Lösungen anzubieten wird das beschleunigen. Früher war es so: Der Betreiber eröffnet ein Parkhaus, und ohne etwas zu machen, kamen die Leute. Das funktioniert teilweise noch immer so, aber der Kunde informiert sich heute online und vergleicht, was früher viel schwieriger war. Ich glaube: Der Markt verlegt sich viel mehr auf den Kunden. Wer da nicht mitmacht und seine Garagen entsprechend ausstattet, wird verlieren.

 

Parken aktuell: Gleichzeitig beteiligen sich immer mehr Player…

Philippe Op de Beeck:…ja, früher war das Geschäft sicher einfacher, dafür ist es jetzt viel spannender. Heute sind sehr viel mehr Spieler im Markt unterwegs als früher. Beispiele aus anderen Branchen zeigen: Angesichts der rasanten Entwicklung durch Technologien und Digitalisierung muss man aufpassen, dass man nicht marginalisiert und an den Rand der Wertschöpfungskette gedrängt wird. Deshalb werden wir umfangreiche Investitionen leisten, um alle relevanten Garagen moderner auszustatten. Kleinere Parkhausbetreiber werden vielleicht sagen: „Wie kann ich da noch mitspielen?“ Denn die Kehrseite der Technologie ist: Was jetzt richtig erscheint, kann in 18 Monaten schon veraltet sein. Hat man dann Hunderttausende oder gar Millionen falsch investiert, wird es schwierig.

Parken aktuell: Gibt es von Ihrer Seite Kooperationen mit Autoherstellern?

Philippe Op de Beeck: Ja. Von diversen Herstellern kommen mittlerweile Anfragen, die alle mit Convenience zu tun haben.

Parken aktuell: Befürchten Sie, dass die Autokonzerne sich in Ihr Geschäft einmischen?

Philippe Op de Beeck: Sicher wollen die Autohersteller das, aber jeder hat so seine persönliche Wunschliste und nicht alle können gewinnen. Selbst der Weltmarktführer Toyota hat nur knapp 12 Prozent Marktanteil, da gibt es noch 88 Prozent andere. Und dann kommen da noch Google, Apple und Co. Allerdings haben wir in der Parken Branche den physischen Aspekt: Die Autos stehen auf einem Grundstück, und das wird auch so bleiben.


Parken aktuell:
Es hat also immer mit Immobilien zu tun. Was bedeutet das für die Stadtentwicklung?

Philippe Op de Beeck: Ich bin davon überzeugt, dass es irgendwann keine kostenlosen Parkplätze mehr geben wird. Parkende Autos sind nicht schön für eine Innenstadt, deshalb macht es Sinn, sie unterirdisch oder in Gebäuden unterzubringen. Die On-Street-Stellplätze werden insgesamt weniger, denke ich. Für uns sind das positive Entwicklungen, denn das heißt Neubau von Parkgaragen und Umwandlung von kostenlosen in bezahlte Parkplätze.

Parken aktuell: Wie stehen Sie zu flexiblen Tarifen und transparenten Preisen?

Philippe Op de Beeck: Es fängt wie in vielen anderen Branchen immer mit der Erhebung von Daten an. Irgendwann werden auch die Parkgebühren von jemandem erhoben, in einer App transparent gemacht und damit vergleichbar. Ob wir das wollen oder nicht, diese Daten zu erheben, ist eigentlich leicht. Betreiber, die nicht offen und transparent sind, tun vielleicht kurzfristig etwas für ihre Rendite, gehören langfristig aber nicht zu den Gewinnern. Die Verschiebung der Macht hin zum Konsumenten findet auch in unserer Branche statt. Wenn wir dann den Kunden nicht kennen, haben wir ihn verloren.

Deshalb ist die beste Strategie, ehrlich zu sein und für eine gute Kundenbindung zu sorgen – wir können da von anderen Bereichen wie Fluggesellschaften, Hotels oder Autovermietungen lernen. Zurück zu Ihrer Frage: Dynamic Pricing ist beim Parken neu. Zunächst läuft es wohl auf eine Mischung aus festen, flexiblen und dynamischen Preisen hinaus. Flexible Preise haben wir an den Flughäfen ja bereits.

Parken aktuell: Ist der Kunde denn grundsätzlich bereit, für mehr Service auch mehr zu bezahlen?

Philippe Op de Beeck: Nur wenn er dafür einen echten Gegenwert bekommt, den er schätzt. Es gibt für uns drei preisbildende Faktoren: Kapazität, Nachfrage, Convenience. Wenn die ersten beiden beschränkt sind, lassen sich höhere Preise nur über mehr Convenience, also Service und Komfort, erzielen.

Parken aktuell: Letztes Themengebiet: Apps. Bislang sind das im Bereich Parken vornehmlich Insellösungen. Arbeiten Sie da an etwas neuem?

Philippe Op de Beeck: Es gibt da den Plattformgedanken – eine App für alle – oder eben die eigene App. Dass alle zusammen eine gemeinsame Plattform anbieten, ist angesichts der vielen Interessengruppen und Unternehmen fast widersprüchlich. Von all den Apps, die momentan am Markt sind, werden in fünf Jahren vielleicht noch zehn Prozent übrig sein. Sehr schwer zu sagen, wer sich durchsetzt. Parallel dazu entwickeln wir unsere eigenen Lösungen weiter. Mit erfolgreichen App-Anbietern können wir uns durchaus vorstellen, zusammenzuarbeiten. Spannend wird sein, wer die notwendigen Daten liefert.

Philippe Op de Beeck im Gespräch mit Parken aktuell-Redakteur Marko Ruh