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Experten geben praktische Tipps für die Zukunft des Parkens

Kollegialer Austausch: Das Kompetenzforum dient immer auch als Netzwerkveranstaltung . – Foto: Marko Ruh

Das Kompetenzforum Parken 2019 wartete mit einer Rekordzahl von 313 Teilnehmern auf. In Würzburg hörten sie Vorträge mit hohem Praxisbezug für die Parken Branche. Ausgiebig genutzt wurden zudem die Gelegenheiten zum kollegialen Austausch – in den Pausen und beim Treffen am Vorabend.

Der Mobilitätssektor ist im Umbruch: Unmittelbar nach dem Autogipfel im Berliner Kanzleramt sei das Kompetenzforum Parken in diesem Jahr perfekt getimt, sagte Moderator Bastian Rudde zu Beginn der Veranstaltung, die am 6. November im Congress Centrum Würzburg stattfand. Die aktuellen Impulse der „großen“ Politik zur anhaltenden Förderung sauberer Antriebe spielten dann auch eine tragende Rolle bei den Fachvorträgen.

Unter den sieben Programmpunkten waren drei Vorträge, in denen das sich wandelnde Mobilitätsverhalten eine direkte Rolle spielte. Wolfgang Dotzler, Key Account Manager eMobility des Unternehmens Mennekes Elektrotechnik GmbH & Co. KG sprach über Abrechnung und Betrieb von Elektroladesäulen, während Philipp Renninger das Thema Brandschutz im Zusammenhang mit Elektromobilität aufgriff.

Eines der aktuell kontrovers diskutierten Mobilitätsthemen fand sich ebenfalls auf der Agenda wieder: Marcel Corneille, Geschäftsführer des Ingenieurbüros EMCEL, referierte über die Frage, mit welcher Marktentwicklung im Segment der Brennstoffzellen-Autos zu rechnen ist und wie in Parkhäusern mit der Technologie umgegangen werden kann.

Daneben wurden Bau- und Sanierungsthemen trendgerecht abgedeckt: Detlef Koch schilderte die Nutzung des Baustoffs Carbonbeton, der anstelle von konventionellem Stahlbeton genutzt werden kann. Ein Bauprojekt, bei dem maßgeblich auf Holz als Baustoff gesetzt wurde, stellten die Projektpartner Uwe Küstermeier und Marco Kolloczek vor. Konflikttrainer Thomas Frick sprach abschließend in seinem Vortrag darüber, wie im Fall eines Konflikts mit einem Kunden gezielt deeskaliert und eine konstruktive Lösung gesucht werden kann.

Batterien und Brennstoffzellen im Parkhaus

Die aktuelle Entwicklung hin zu alternativen Fahrzeugantrieben eröffnet derzeit nicht nur für batteriebetriebene Autos neue Perspektiven, sondern bringt auch Fahrzeuge ins Spiel, die beispielsweise mit Wasserstoff angetrieben werden. Vor diesem Hintergrund äußerte sich Marcel Corneille, Geschäftsführer der EMCEL GmbH, beim Kompetenzforum Parken. Das Ingenieurbüro ist spezialisiert auf Brennstoffzellen, Wasserstofftechnologie und Elektromobilität. Corneille machte zunächst die Unterschiede zwischen den Antrieben klar, die aktuell verfügbar sind. Im Gegensatz zu Modellen, bei denen ein Elektromotor in Verbindung mit leistungsstarken Batterien genutzt wird, erzeugt die Brennstoffzelle Strom für den Elektromotor aus dem mitgeführten Wasserstoff. Der große Vorteil gegenüber dem Batterieantrieb besteht laut Corneille unter anderem darin, dass nur eine sehr kurze Zeit für das Tanken notwendig ist und kein Starkstromanschluss gebraucht wird. Für die Zukunft räumt der Fachmann beiden Ansätzen Chancen ein. „Die Kunden werden sich zwischen Brennstoffzelle und batteriebetriebenem Elektromotor aufteilen“, so der Diplom-Ingenieur.

In ein Parkhaus dürfe ein Auto mit Brennstoffzelle ohne weiteres einfahren: „Das Fahrzeug ist technisch dicht“, so Corneille. Die Prüfung dieser Dichtigkeit übernehme der TÜV. Durch die gültigen Garagenordnungen würden der Technologie keine Begrenzungen gesetzt. Sicherheitstechnisch gebe es gegen Brennstoffzellen somit grundsätzlichen Bedenken. Der einzelne Parkhausbetreiber habe aber die Möglichkeit, im Zweifelsfall bestimmte Kunden nicht einfahren zu lassen.

Marcel Corneille rechnet mit einem sukzessiven Anstieg der Marktdurchdringung von alternativen Antrieben bis 2040. Ab einem bestimmten Zeitpunkt könnte die Entwicklung auch sprunghaft vonstatten gehen: „Solche Umbrüche brauchen sehr lange in der Vorbereitung. Aber die Veränderung selbst kommt dann oftmals sehr schnell“, sagte Corneille.

Schranken könnten bald Vergangenheit sein

Sehr schnell könnte sich auch das Kundenverhalten an der Ein- Ausfahrt eines Parkhauses ändern. Hat sich in den vergangenen Jahrzehnten das Procedere mit Schranke, Parkticket und Kassenautomat als Standard bewährt, könnte dieses Verfahren bald schon Vergangenheit sein. In seinem Vortrag beschrieb Thomas Veith, Geschäftsführer der Autopay Deutschland GmbH, eine Alternative anhand von praktischen Beispielen aus Norwegen. Auf Basis automatischer Kennzeichenerkennung kommen dort immer mehr Parkhäuser ohne Ticket, Schranke und Bargeld aus. Die Hardware wird somit immer mehr von Software ersetzt. Bei den vorgestellten Lösungen bedarf es lediglich paarweise angebrachter Kameras an den Ein- und Ausfahrten, der Rest geschieht auf digitalem Weg per App. Dank der Kamera-dopplung können die Kameras die Fahrzeugkennzeichen von hinten und von vorne erfassen. Thomas Veith prognostizierte der Kennzeichenerfassung und ähnlichen digitalen Lösungen eine rasche Entwicklung: „Wenn Sie die letzte Schranke in Oslo noch sehen möchten, sollten Sie sich beeilen.“ Erste Lösungen, die ausschließlich mit Kennzeichenerfassung arbeiten, haben mittlerweile auch in Deutschland den Betrieb aufgenommen.

Rechtssichere Gebührenerhebung an der E-Ladestation

Einen Schwerpunkt des Kompetenzforums Parken bildete die Frage, wie Parkhausbetreiber beim Aufladen von Elektroautos mit Sicherheitsaspekten sowie mit Betrieb und Abrechnung umgehen sollten. Zu den beiden letztgenannten Themen äußerte sich Wolfgang Dotzler, Key Account Manager eMobility bei der Mennekes Elektrotechnik GmbH & Co. KG. Das Unternehmen stellt unter anderem Stecker, Kabel und E-Ladesäulen her. „Jede Ladestation muss dabei eichrechtlichen Regelungen entsprechen, um Transparenz für Kunden und Betreiber zu gewährleisten“, so Dotzler. Dabei sei es wichtig, dass ein Stromzähler, ein Zulassungszeichen sowie das aktuelle Datum und die Uhrzeit sichtbar seien. Ferner sei auf Softwareebene die Nutzung eines Datenmanagementsystems und einer Transparenzsoftware nötig. Generell wird beim Betrieb von E-Ladesäulen laut Preisangabenverordnung von einer Abrechnung nach Mengeneinheit ausgegangen. Dies bedeute, dass eine Abrechnung nach Kilowattstunden zugrunde gelegt wird. Hinzu kommen können Park- und eventuell Startgebühren. In punkto Sicherheit wies Dotzler auf ein Datenblatt des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) hin, in dem Elektroladesäulen als keine zusätzliche Gefahr für Parkhäuser dargestellt werden. „Es gibt keine wesentlichen Hürden zum Betrieb. Die vorhandenen müssen allerdings genau beachtet werden“, so der Vortragende im Hinblick auf die Installation von Ladestationen. Bei der Beantragung von Fördermitteln des Bundes sei auf eine genaue Einhaltung der gesetzlichen Kriterien zu achten, so Dotzler.

Brandschutz und E-Mobilität

Für den sicheren Betrieb von E-Ladesäulen müssen auch Regeln zum Brandschutz beachtet werden. Über wesentliche Aspekte sprach Philipp Renninger, Leiter des Ingenieurbüros Brandschutzplanung Renninger GmbH. Grundsätzliches Problem sei vor allem die hohe Temperaturentwicklung beim Betrieb der Lithium-Ionen-Akkus, die in vielen Elektroautos verwendet werden. „Ein Brand kann durchaus schneller vor sich gehen als bei einem konventionellen Antrieb“, so Renninger. Aufgrund der chemischen Reaktion sei bei einem Brand der Batterie eine massive Kühleinwirkung nötig. Normales Ablöschen helfe nicht, so der Brandschutzexperte.

Als weiteres Problem könne die Emission von Brandgasen hinzukommen, die in seltenen Fällen mit hochtoxischen Stoffen wie etwa Flusssäure versetzt sein können. Atmen Menschen solche Brandgase ein, bestehen schwere gesundheitliche Gefahren. Einen besonderen Gefahrenherd stellen Tiefgaragen dar, da sie baulich bedingt ein schnelles Handeln der Feuerwehr erschweren. Oft sind zudem große Flächen betroffen und es kann zu hoher Rauchentwicklung kommen. Mustergaragenverordnungen müssten nach Meinung des Referenten im Bezug auf den Brandschutz bei E-Ladesäulen überarbeitet werden. Allgemein sinnvoll für den Brandschutz seien Entrauchungsanlagen, Brandschutztüren sowie generell die Nutzung von schwer oder nicht entflammbaren Baustoffen etwa für Dämmung, Rolltore oder andere Einrichtungen. „Die brandschutztechnische Infrastruktur wird immer durch die bauliche Beschaffenheit bestimmt, nicht umgekehrt“, sagte Renninger.

Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr ist es generell legitim, Elektrofahrzeuge in Parkierungseinrichtungen abzustellen. Jedoch darf sich der Nutzungscharakter der Anlage nicht ändern. Generell können Ladestationen ohne besondere Auflagen eingebaut werden. Als sinnvolle Maßnahmen zur Risikominimierung empfiehlt Philipp Renninger eine zusätzliche Rauchableitung, eine spezielle Kennzeichnung der E-Lade-Stellplätze sowie Löschwasserrückhaltung.

Doch Batterien sind nicht die einzige neue Antriebsquelle, die immer mehr Einzug hält. In Sachen Brandgefahr besteht laut Philipp Renninger generell aber kein wesentlicher Unterschied zwischen Fahrzeugen mit Batterie oder mit Wasserstoff. Im Fall eines schwerwiegenden Unfalls oder Defekts werde Wasserstoff indes abgelassen. So verbrenne er vor Ort, explodiere jedoch nicht.

Carbonbeton als neuer Baustoff

Neue Impulse gab es beim Kompetenzforum Parken auch bezüglich Bau und Sanierung. Mit dem Material Carbonbeton hat sich der Diplom-Chemiker Detlef Koch auseinandergesetzt. Klassische Probleme für die Statik vieler Parkhäuser seien Chloridkorrosion und Risse im Beton, so Koch. Beides könne sowohl auf Abnutzung wie auf Fehler bei vorherigen Sanierungen hindeuten. „Große Bauelemente haben oft Probleme durch Chloridkorrosion“, erläuterte Koch. Eine neue Alternative, um dieses Problem zu umgehen, sei Carbon. Der große Vorteil des Hightech-Werkstoffs: Das Material kann im Gegensatz zu Stahlbewehrungen von Tausalzen nicht durchdrungen werden und ist somit nicht korrosionsgefährdet. Zudem besitzt es eine hohe Zugfestigkeit.

Bei Instandsetzungsarbeiten kommen Carbonmatten bereits zum Einsatz, um beschädigte Bereiche über Verbundfugen zu verstärken. Anschließend wird ein neuer Bodenbelag aufgetragen. Es können auch breitere, mehrlagige Carbonmatten genutzt werden, um so schwerpunkmäßig Bereiche im Beton zu verstärken, in denen Risse aufgetreten sind. Die alte Beschichtung wird dann heruntergeschliffen und eine neue aufgetragen.

Auch im Neubau würden Carbongewebe bereits als Werkstoff genutzt. „Der maßgebliche Vorteil liegt darin, dass der Beton das Carbongewebe umschließt. Biegezugfestigkeit und Druckfestigkeit können so in kurzer Zeit enorm erhöht werden“, so Diplom-Chemiker Koch.

Parkhaus aus Holz

Einen eigenen Ansatz im Parkhausbau stellten Diplom-Architekt Uwe Küstermeier vom Architekturbüro kg5 Architekten und der Statiker, Diplom-Bauingenieur Marco Kolloczek, von der InTraKon GmbH vor. Sie haben einen Parkhausneubau geplant und umgesetzt, bei dem maßgeblich auf Holz als Baumaterial zurückgegriffen wurde. In einem Wohngebiet der Stadt Rüsselsheim wurde nach ihren Plänen eine offene Quartiersgarage mit 100 Stellplätzen errichtet, in der Unterzüge, Randträger, Geschossdecken und Untersichten aus Holz bestehen. Allein für Fahrbahn und Dach wurden 273 Kubikmeter Brettsperrholz verwandt. Auch die Fassade des Parkhauses besteht aus dem natürlichen Werkstoff. Ganz ohne Stahl und Beton kommt das Holzparkhaus dennoch nicht aus. Aus Stahl bestehen unter anderem Stützen, Absturzsicherungen und Kabeltrassen, während Beton zum Bau des Fundaments genutzt wurde.

Laut Küstermeier sei die zugrunde liegende Idee gewesen, mit dem Holz der Starrheit und Uniformität städtischer Räume etwas entgegenzusetzen. Vorbilder für das Projekt habe es nicht gegeben. Inzwischen verbreitet sich die Nutzung von Holz im Hochbau: „Der Zeitgeist hat uns eingeholt“, so Uwe Küstermeier mit Blick auf das Thema nachhaltiges Bauen. Neben der Speicherung von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid sprächen auch die statischen Eigenschaften, die flexible Nutzbarkeit und der niedrige Preis für den nachwachsenden Werkstoff.

Selbst beim Brandschutz seien keine Nachteile zu befürchten. Das Holzgebäude unterliegt Brandschutzbestimmungen, die sogar dem sogenannten Eurocode 5 entsprechen. Notwendig seien dafür lediglich ein feuerhemmender Anstrich und unabhängige Rettungswege auf jeder Etage. Zudem musste dafür gesorgt werden, dass der Restquerschnitt der verbauten Holzteile auch nach einem Brand noch statisch ausreichend ist. Wie bei anderen Baustoffen sind regelmäßige Wartungen und Sichtkontrollen nötig, um den konstruktiven Holzschutz einzuhalten. Dies gelte insbesondere für den Schutz vor Witterungseinflüssen. Der Bau des Gebäudes erfolgte zum großen Teil auf Basis vorgefertigter Elemente.

Zum Abschluss des Tagungsprogramms sprach Konflikttrainer Thomas Frick darüber, wie Parkhausbetreiber Auseinandersetzungen mit Kunden beilegen können. Generell seien der Egoismus und der Druck auf den Einzelnen in der Gesellschaft gestiegen, so Frick. Im Ergebnis führe das zu Reklamationen, unberechtigtem Parken auf gesonderten Stellflächen, Zuparken anderer Fahrzeuge, Beschädigungen an Parkhauseinrichtungen sowie verbalen und körperlichen Aggressionen. Hilfreich sei Sensibilität und Konsequenz gleichermaßen, um so gezielt zu deeskalieren. Körpersprachliche Mittel können dabei helfen, wie Thomas Frick in mehreren Live-Demonstrationen veranschaulichte.

Rekordbesucherzahl in Würzburg

Der Bundesverband Parken konnte sich hinsichtlich der Gesamtveranstaltung über ein hohes Besucherinteresse freuen. „Wir hatten insgesamt 313 Teilnehmer – so viele wie noch nie. Das zeigt uns, dass wir mit dem Programm aus der Praxis für die Praxis goldrichtig liegen“, sagte Vorstandsvorsitzender Michael Kesseler abschließend. Viele der Teilnehmer nutzten den Tag in Würzburg nicht nur, um die Vorträge zu hören, sondern auch um sich in den Pausen über die aktuellen Trends der Parken Branche auszutauschen. Dabei wurde in zahlreichen Gesprächen deutlich, wie groß der Umbruch ist, der sich derzeit vollzieht. Dies bestätigte auch der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Parken. Es habe sich in den letzten Jahren mit Dynamic Pricing, Ticketless Parking, E-Rollern, Smart City-Trends und anderen Entwicklungen mehr getan, als viele Jahre zuvor, so Kesseler.

Daneben arbeitet der Verband für seine Mitglieder derzeit an zentralen Themen. Im Zusammenhang mit der Verabschiedung der neuen Kassensicherungsverordnung und im Umgang mit der Preisangabe-Verordnung für E-Ladestationen vertritt der Verband für seine Mitglieder aktiv Brancheninteressen. Auch über den Umgang mit der Datenschutz-Grundverordnung wird noch diskutiert. „Das Thema hat sich abgekühlt, aber ist noch aktuell“, so Kesseler.

Sein Fazit des Kompetenzforums Parkens fiel sehr positiv aus. „Wir haben sieben sehr interessante Vorträge gehört. Ich glaube, es gibt genug zu tun und auch zu lernen. Um beides anzustoßen, gibt es unser Kompetenzforum Parken“, so der Vorstandsvorsitzende.