Parkraum-Management · Konzeption · Technik
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Fachausschüsse intensivieren den Austausch – und setzen Trends und Themen

Intensiver Austausch: Bei der Tagung stand der Dialog im Vordergrund. – Foto: Thekla Ehling für Bundesverband Parken

Was stand 2019 auf der Agenda? Wie lief das Geschäft in der Parkraumbewirtschaftung? Mit welchen Themen sollen sich die Ausschüsse künftig befassen? Diesen Fragen und einigen mehr widmeten sich knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der gemeinsamen Tagung, einem Treffen der fünf ständigen Fachausschüsse und des Vorstands im Bundesverband Parken e. V. Erstmals fand die Jahresauftaktveranstaltung in Würzburg statt, und erstmals wurde das Veranstaltungs­format World-Café umgesetzt.

In den ganz neuen Räumlichkeiten der Würzburger Stadtverkehrs GmbH (SVG) blickte Michael Kesseler nach der Begrüßung kurz auf die Verbandsaktivitäten des vergangenen Jahres zurück und stellte fest: „Wiesbaden war sehr erfolgreich.“ Damit unterstrich der Vorsitzende des Bundesverbandes Parken, dass die Rückkehr der Messe Parken an den angestammten Austragungsort Wiesbaden die richtige Entscheidung war. Einen weiteren Erfolg verbuchte der Verband auf juristischem Weg. Bei einem Patent, das sich auf die farbliche Gestaltung in Parkhäusern bezieht, konnte die Parken-Organisation in einer außergerichtlichen Einigung erwirken, dass der Patentinhaber auf sein Patent verzichtet, so dass hier künftig Rechtssicherheit für alle Farbgestaltungen gilt.

Auf institutioneller Ebene bemüht sich der Bundesverband, eine neue Verordnung zu Toren und Schranken im Sinne der Mitglieder anzupassen. Über den aktuellen Stand der DIN EN 12453 berichtete Christian Rauch von der SVG, der sich intensiv mit der Thematik befasst (wir berichteten in unserer Ausgabe Dezember 2019). Er vertritt nunmehr den Parken-Verband im zuständigen DIN-Ausschuss und setzt sich dort für eine Änderung der Norm ein. Das Problem: Die Vorschrift mag für kraftbetriebene Tore sicher sinnvoll sein, schließt jedoch auch Schranken mit ein. Schrankenhersteller blieben bis dato aber außen vor und sind im DIN-Ausschuss nicht involviert. Christian Rauch hat deshalb eine Sitzung mit Vertretern der wichtigsten Hersteller organisiert und bereitet mit ihnen ein Statement zur Vorlage im DIN-Ausschuss vor.

Nach Erhebungen von Parkhausbetreibern ist es wahrscheinlicher vom Blitz getroffen zu werden als von einer Parkhausschranke (vgl. Parken aktuell Dezember 2019, Seite 50). Von der DIN beabsichtigte technische Sicherheitsvorkehrungen an Parkhausschranken seien deshalb überflüssig und würden nur die Fahrzeugabfertigung verlangsamen und den Betrieb verteuern, so die Sicht der Parkhausmanager.

Inspirierender Dialog

Im neuen Veranstaltungsformat – der Workshop-Methode World-Café – tauschten sich die anwesenden Vorstands- und Ausschussmitglieder anschließend über die Inhalte der verschiedenen Arbeitskreise aus. Die Koordinatoren der fünf Ausschüsse empfingen an ihren Stationen wechselnde Kleingruppen, die sie über die geleistete Arbeit in ihrem jeweiligen Ausschuss kurz informierten. Danach ging es im offenen Dialog um mögliche Themen für die Zukunft. Dank des interaktiven und multilateralen Charakters der Tagung hatten alle Teilnehmer Gelegenheit, jeden einzelnen Ausschuss kurz kennenzulernen und über die dortige Agenda ins Gespräch zu kommen. So ergaben sich zahlreiche Impulse über die Ausschussgrenzen hinweg. Die Ausschuss-Koordinatoren trugen im zweiten Teil der Veranstaltung die wesentlichen Ergebnisse vor:

Ausschuss Bau und Unterhalt

Walter Beck von der SVG Würzburg machte den Anfang für den Ausschuss Bau und Unterhalt. Ein Dauerbrenner in diesem Kreis sind Lebenszykluskosten von Parkbauten, die auch geschätzte Wartungs- und Sanierungskosten beinhalten. Neu auf der Agenda ist die Frage, ob und in welchem Umfang eine Ladeinfrastruktur für Elektroautos sinnvoll ist. Diskutiert wurde in diesem Zusammenhang, ab wann Transformatoren notwendig werden und welche zusätzlichen Vorkehrungen hinsichtlich des Brandschutzes zu treffen sind, wenn Ladestationen und Elektroautos Einzug in Garagen halten. Auch über die technischen Rahmenbedingungen für autonomes Parken wurde gesprochen. Walter Beck regte außerdem einen Praxisvergleich verschiedener Beschichtungssysteme an.

„Früher war alles einfach, heute alles komplex“: Gerald Stuible, Koordinator des Betriebswirtschaftlichen Ausschusses. – Foto: Thekla Ehling für Bundesverband Parken

Betriebswirtschaftlicher Ausschuss

„Früher war alles einfach, heute alles komplex.“ Mit einem Augenzwinkern beschrieb Gerald Stuible die neuen Herausforderungen für den wirtschaftlichen Betrieb einer Parkierungseinrichtung. Ursächlich ist an vielen Stellen die Digitalisierung, die zu einem veränderten Kundenverhalten führe, neue Gesch äftsmodelle notwendig mache und neue Player ins Spiel bringe, so Stuible weiter. Neue Kosten- und Erlösverhältnisse sind die Folge, andere Marktplätze entstehen. Auch praktische Belange wie Bargeldentsorgung in Zeiten, da immer mehr bargeldlos abgewickelt wird, sind zu berücksichtigen.

Marketing-Ausschuss

Ein Schwerpunkt des von Thomas Veith koordinierten Ausschusses war im vergangenen Jahr der Relaunch der Verbandswebsite www.parken.de. Zuletzt haben sich die Ausschussmitglieder mit einer Restrukturierung der Mitgliederdatenbank befasst. Bis zum Frühjahr sollen mehrere Dutzend bestehende Kategorien und Unterkategorien wegfallen, unter denen die außerordentlichen Mitglieder bislang auf der Webseite gefiltert werden können. Stattdessen soll die Struktur auf wenige aussagekräftige Bereiche verschlankt werden, und alle Mitglieder können sich in einem kurzen Freitextfeld selbst vorstellen. Neben der Website widmet sich der Ausschuss in diesem Jahr der Parken aktuell. Zusammen mit der Redaktion will man unter anderem Anregungen aus der gemeinsamen Tagung schrittweise umsetzen. So soll die Zeitschrift auch dazu beitragen, Entscheider in den Kommunen für das Thema Parken zu sensibilisieren. Auch über andere Kanäle will sich der Marketing-Ausschuss für eine stärkere öffentliche Wahrnehmung der Branche engagieren. Im Zuge des Mobilitätswandels könnte der Parkraumbewirtschaftung eine zentrale Rolle als Steuerungsinstrument zufallen, so Veith.

Lebenszykluskosten von Parkbauten“: Walter Beck, Koordinator des Ausschusses Bau und Unterhalt. – Foto: Thekla Ehling für Bundesverband Parken

Technischer Ausschuss

Die Digitalisierung mischt mittlerweile bei fast allen technischen Innovationen mit. Als Beispiele nannte Koordinator Gerald Krebs bargeldloses Bezahlen, Free-Flow beziehungsweise Seamless Parking, Laderoboter, autonome Kehrmaschinen oder Automated Valet Parking. So faszinierend manche Technologien sein mögen, sie stellen die Parkhausbetreiber auch vor neue Herausforderungen. Neue Geschäftsmodelle müssen her, Schnittstellen müssen definiert werden und für eine ausreichende Mobilfunkversorgung in Tiefgaragen will erst mal gesorgt sein. Das und vieles mehr ging aus den Gesprächen hervor, die sich um technische Themen rankten. Um wirklich innovative Lösungen zu implementieren, sei oftmals viel Arbeit im Hintergrund zu leisten. Stellvertretend dafür nannte Gerald Krebs die Alliance for Parking Data Standards, die sich auf internationaler Ebene für einen standardisierten Datenaustausch und gemeinsame Plattformen einsetzt.

Ausschuss Verkehrspolitik

Was in der Technik die Digitalisierung, ist in der gesellschaftlichen Debatte der Klimaschutz, der für gravierende Veränderungen im Parkraummanagement sorgen könnte. Koordinator Claus Schnell gab Einblick in die Überlegungen aus den geführten Gesprächen. Forderungen nach autofreien oder zumindest auto-armen Innenstädten hätten ihre Auswirkungen auf das Parken ebenso wie die Umwandlung des Straßenrandparkens in Fahrradwege, Ladezonen oder Biergärten – mit allen Konsequenzen der Erreichbarkeit von innenstadtnahen Parkhäusern. Der Ausschuss erarbeitet ein Positionspapier „Vom Parkhaus zum Mobilitätshaus“, das in Kürze vorgestellt wird. Dass sich Verkehrsströme auch über Bußgelder und Tarife steuern lassen, wurde ebenfalls angesprochen. Wie man Fördermittel abruft, die Preisbildung bei öffentlichen Elektroladestationen und Wege der Ansprache von Politik und Öffentlichkeit, waren weitere mögliche Themen für den verkehrspolitischen Ausschuss.