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„Parkraum ist die Währung einer Stadt“

Über die App von Parkamo lassen sich unter anderem auch Preise für das gewünschte Zielgebiet vergleichen. So möchte die Plattform eine Art Bokking.com fürs Parken werden. Foto: Parkamo

Über die App von Parkamo lassen sich unter anderem auch Preise für das gewünschte Zielgebiet vergleichen. So möchte die Plattform eine Art Bokking.com fürs Parken werden. –  Foto: Parkamo

Parkamo ist ein neuer Name in der deutschsprachigen Parken Branche. Das 2019 in Schweden gegründete Unternehmen bietet eine Plattform für digitales Parken über eine App, die weitere Anbieter bündelt. Mit Katharina Wagner (37) hat Parkamo eine ausgewiesene Mobility-Expertin als CEO an Bord geholt. Im Interview mit Parken aktuell schildert sie ihre Pläne.

Sie bezeichnen sich als „weltweit erster Parkaggregator“: Was genau ist ein Parkaggregator?

Wir wollen eine Anlaufstelle für On- und Off-Street-Parken sowie private Parkplätze sein und alles in einer App zusammenbringen. Momentan bündeln wir acht App-Anbieter unter unserem Dach und integrieren demnächst auch Betreiber von Parkgaragen. Ganz aktuell haben wir zudem eine Kooperation mit dem Technologieanbieter evopark vereinbart. Außerdem können Grundstückseigentümer ihre privaten Parkplätze über Parkamo vermieten und damit Geld verdienen.

Können Sie weitere Namen nennen?

Bereits integriert sind unter anderem die Apps EasyPark, SMS Park, PayByPhone, ParkNow und Parkster. Mit diversen Parkhausbetreibern befinden wir uns noch in Vertragsverhandlungen.

Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell? Müssen Provisionen gezahlt werden?

Katharina Wagner, CEO Parkamo. – Foto: Parkamo/Andreas Klein

Im Gegenteil: Alle beteiligten Partner – wie Parkhausbetreiber, Kommunen oder Technologieanbieter – haben eine zusätzliche Einnahmequelle und verdienen daran. Hierfür heben wir den Preis für den Kunden etwas an und die so entstehende Marge wird geteilt.

Wieso sollten Kunden das mitmachen?

Dem Kunden bieten wir mit Parkamo Green Parking eine ökologische Kompensation, durch die ein Mehrwert entsteht. Zum einen weil wir mit jedem Parkvorgang in nachhaltige Projekte investieren, zum anderen weil wir dazu beitragen, den Parksuchverkehr zu reduzieren. Den Endkunden möchten wir nachhaltiges Parken überall ermöglichen. Das verbirgt sich hinter unserer Vision „enabling sustainable parking“.

Treten Sie mit diesem Ansatz auch an Kommunen heran?

Ja, wir sind intensiv im Gespräch mit Städten. Ein zentrales Anliegen ist auch für sie die Reduzierung des Parksuchverkehrs, nicht zuletzt, um ihre Umweltauflagen zu erfüllen. Hierzu tragen wir durch Routing bei, auch mithilfe von Daten, die wir über Crowdsourcing erhalten. Das bedeutet: Je mehr Nutzer wir haben, desto präziser werden die Vorhersagen über vorhandene freie Parkplätze, zu denen die Autos auf dem kürzesten Weg navigiert werden. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, die Schadstoffemissionen zu verringern. Darüber hinaus hilft unsere App, freie Privatparkplätze durch Vermieten effektiver zu nutzen: zum Beispiel tagsüber, wenn der Besitzer bei der Arbeit ist oder ein Supermarktparkplatz, der nachts leer steht. Parkraum ist die Währung einer Stadt. Das Ziel ist, diese begrenzten Flächen sinnvoll zu verteilen.

Weshalb engagieren Sie sich angesichts Ihres ökologischen Anspruchs ausgerechnet für den Motorsport als Sponsor?

Rennsport ist für viele eine Provokation. Wir aber wollen das Auto nicht verteufeln, denn ohne Autos kommen wir meist nur in urbanen Gebieten aus, wo genügend Alternativen zur Verfügung stehen. Aber auch dort steigt die Nutzung von Privat-PKWs, das zeigt sich jetzt in der Coronakrise ganz besonders. Unsere Message ist: Egal, was für ein Auto du fährst, kannst du immer noch was für die Umwelt tun.

Wie lautet Ihre Botschaft an die Parken Branche?

Wir sind sehr offen für Kooperationen und freuen uns auf Anfragen von Städten, Betreibern, App-Anbietern und Technologiedienstleistern.

Welche Technologien sind hierfür notwendig?

Unser Ansatz ist, mit allen bestehenden Infrastrukturen kooperieren zu können, egal ob Free-Flow, Kennzeichenerkennung oder Tickets zum Einsatz kommen. Das kann zum Beispiel auch über einen Barcode auf einem Papierticket geschehen, den der Kunde mit seinem Smartphone nur einscannen muss. Von da an läuft der Parkvorgang über unsere Systeme im Hintergrund weiter, die Bezahlung erfolgt bargeldlos.

Einfacher funktioniert es aber doch mit durchgängig digitalen Lösungen?

Ja, unser Ziel ist schon die Digitalisierung des Parkens. Alle Trends weisen darauf hin. Je nach Situation und eingesetztem System gibt es unterschiedliche Berührungspunkte, auf die wir mit unserer Lösung aufsetzen können. Bei aller Digitalisierung bleibt Parken wiederum ein physischer Vorgang.